Wozu braucht man eine Limousine?

Das ist eine Frage, die man sich inzwischen offensichtlich auch in China, dem größten Automarkt der Welt, stellt. Jahr um Jahr hat sich hier der Markt in schwindelerregender Geschwindigkeit entwickelt. Doch inzwischen sind auch im Reich der Mitte Wolken am Autohimmel aufgezogen, die Zulassungsraten steigen immer noch, aber langsamer. „Nur” noch 14,5 Millionen PKW wurden im vergangenen Jahr verkauft, immer noch 5 % mehr als im Vorjahr. Aber dennoch: In diesem Jahrtausend war es so wenig Wachstum wie noch nie.
In diesem Jahr geschah sogar Revolutionäres, ein Wort, welches man in China gar nicht mag. Es gab im ersten Quartal ein Minus, da viele Kunden keine Lust darauf hatten, ein Luxusauto zu kaufen, sondern stattdessen lieber mit der Familie das Neujahrsfest feierten. Die wirtschaftlichen Aussichten sind nicht mehr ganz so rosig wie vorhergesehen. Die Regierung hat beim Bruttosozialprodukt nur ein verhaltenes Wachstum vorhergesagt, gleichzeitig sind die Benzinpreise nicht unerheblich gestiegen. Dann ließ die Regierung zum Jahresende auch noch staatliche Subventionen auslaufen, mit denen der Staat in den vergangenen zwei Jahren Käufern von Fahrzeugen unter 1,6 Liter unter die Arme gegriffen hatte. Das Programm, mit dem man die Menschen auf dem Land, die sich einen Van oder ein leichtes Nutzfahrzeug anschaffen wollten, hat ebenfalls sein Ende gefunden.
Trend ist ungebrochen
Dennoch sollte man das alles nicht als einen langfristigen und negativen Trend betrachten. Fachleute erwarten nach wie vor auch für das laufende Jahr außergewöhnliche Wachstumsraten, manche gehen von bis zu 14 % aus, was 16,7 Millionen verkauften Fahrzeugen gleichkäme. Nach wie vor sind rund 75 % aller Autokunden sogenannte Erstkäufer. Das Land mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern wird derzeit von etwa 100 Millionen Pkw befahren. Um das richtig einschätzen zu können, muss man wissen, dass in Deutschland, bei 82 Millionen Einwohnern, knapp 43 Millionen Autos unterwegs sind. Die Pkw-Dichte in China liegt derzeit auf einem Niveau, das dem von Deutschland aus den 50er Jahren ähnelt.
Der Vergleich ist durchaus erlaubt, auch die gesamtwirtschaftliche Situation in China ähnelt der von Deutschland aus dieser Zeit. Die Bevölkerung wird allgemein vom Wohlstand erfasst, damit wächst auch der Appetit nach optisch ansprechenden und technisch hochwertigen Fahrzeugen. Auch in China ist ein Auto das Statussymbol Nummer eins, chinesische Kunden legen sehr großen Wert auf Prestige. Sie haben ein geradezu kindliches Bedürfnis, ihren Wohlstand zu zeigen und wer es sich leisten kann, schaut, wo er sich eine Limousine kaufen kann, die über eine gewisse Exklusivität verfügt.
Besonders beliebt bei Frauen
Der Markt für Limousine in China ist nach wie vor eindeutig ein Wachstumsmarkt, den die jeweiligen Hersteller auf ihrem Schirm haben. Auffällig viele Frauen sind gerade in diesem Segment besonders interessiert und wünschen sich eine ansprechende neue Limousine, auch wenn viele der Kundinnen ihr Leben in Großstädten verbringen und einen Großteil ihrer Zeit deswegen im Stau verbringen werden.

Kürzlich wurden sämtliche ausländischen Automobilhersteller von den staatlichen Einkaufslisten gestrichen, was den am Markt gut eingeführten Marken wohl nur wenig ausmachen dürfte. Schließlich liegt die Anzahl der verkauften Limousinen an staatliche Stellen im Bereich von nur 1 %.

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